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Gastroenterologie am Schlachtensee
Privatpraxis Dr. Grüber – Dr. Kolbe – & Kollegen


Extraösophageale Refluxerkrankung (“stiller Reflux“)

Durch Reflux aus dem Magen verursachte Beschwerden und/oder Komplikationen oberhalb der Speiseröhre in den oberen Luftwegen definieren diese Erkrankung. Beschwerden und Komplikationen der Speiseröhre bestehen dabei typischerweise nicht oder stehen nicht im Vordergrund. Da die Symptome nicht an eine ursächliche Refluxerkrankung denken lassen, spricht man auch vom sogenannten “stillen Reflux“.

Leider gibt es weder Symptome noch endoskopische Befunde, die mit ausreichender Sicherheit die Diagnose ermöglichen. Beschwerden wie u. a. Heiserkeit, Räusperzwang, Husten, Halsschmerzen, Schluckbeschwerden, Globusgefühl, Rachenverschleimung führt die Patienten zu den verschiedenen Fachdisziplinen, ohne dass in der Regel wegweisende Befunde erhoben werden können. Eine Funktionsuntersuchung, die die krankhafte Magensaftbelastung im Rachen misst, wäre daher notwendig. Allerding erwiesen sich die auf der Speiseröhrenebene bewährten Messverfahren als nicht ausreichend hilfreich. Daher wurde zusammen mit dem Pioniere der klassischen pH-Metrie, dem amerikanischen Chirurgen DeMeester, eine spezielle Sonde zur extraösophagealen Refluxdiagnostik entwickelt. Diese Sonde besitzt eine hohe Empfindlichkeit für Refluate auch im schwach-sauren Bereich, die in den oberen Luftwegen bereits schädlich sein können. Auch kleinste und gasförmige Refluate können mit ihr nachgewiesen werden. Im Ergebnis erhält man eine auch für den Laien anschauliche Auswertung, die neben der Anamnese unter Berücksichtigung aller Voruntersuchungen eine gute Grundlage der notwendigen individuellen Beratung sein kann. Da in der Regel mehrere Fachdisziplinen wie Hausarzt, HNO-Arzt, Lungenfacharzt und Gastroenterologe bei der Diagnostik beteiligt sind, ist eine gute Kommunikation aller beteiligten Ärzte wichtig.
Die therapeutischen Möglichkeiten sind derzeit noch begrenzt und bestehen in der Regel aus einer individuell abgestimmten Kombination aus Medikamenten und Lebensstilveränderungen. Für eine erfolgreiche Behandlung ist meist eine längerfristige Betreuung durch einen Gastroenterologen mit speziellem Interesse und Erfahrung auf diesem Gebiet erforderlich.

Achtung:
Die Materie der extraösophagealen Refluxerkrankung ist kompliziert und die wissenschaftliche Durchdringung noch nicht ausreichend. Daher sind bei den beteiligten Fachdisziplinen noch viele Fragen strittig und es können sich für die betroffenen Patienten recht unterschiedliche, für ihn verwirrende Empfehlungen ergeben.

- Kolbe, aktualisiert 06.10.2014 -