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Gastroenterologie am Schlachtensee
Privatpraxis Dr. Grüber – Dr. Kolbe – & Kollegen


Schmerzen bei der Darmspiegelung? – Nicht bei uns. Mehr Patienten-Komfort durch Kohlendioxid (CO2)

Schmerzen bei der Darmspiegelung? – Nicht bei uns.

Mehr Patienten-Komfort durch Kohlendioxid ( CO2)

Worum geht es?

Für eine optimale Übersicht bei der Darmspiegelung muss der zunächst weitgehend kollabierte Dickdarm aufgerichtet und die Falten gestreckt werden, so daß möglichst keine toten Winkel entstehen. Üblicherweise wird dafür Raumluft über das Endoskop in den Darm gepumpt. Eine Wasserinstallation als Alternative beim Gerätevorschub hat sich nicht durchgesetzt.

Wo ist das Problem?

Durch die eingepumpte Luft können über viele Stunden anhaltende, erhebliche Blähbeschwerden auftreten und der Darm wehrt sich durch schmerzhafte Muskelspasmen. Wird die Untersuchung, wie meist gewünscht, mit einer “Schlafspritze“ (Analgosedierung) durchgeführt, kann das den Medikamentenbedarf erhöhen und dadurch die Wiederherstellungsphase verlängern. Luft mit dem Gehalt von ca. 80% Sauerstoff und ca. 20% Stickstoff kann explosiv sein. So sind Einzelfälle Gasexplosionen beim endoskopischen Abtragen von Darmpolypen beschrieben worden. Ein durch die eingepumpte Luft anhaltend zu hoher Druck im Darm kann die Durchblutung der Schleimhaut kritisch vermindern.

CO2 als Problemlöser?

Was macht das CO2 so interessant für die Endoskopie? Am wichtigsten: CO2 wird ca. 150 mal schneller durch die Darmschleimhaut aufgenommen als Luft. Es gelangt dann rasch über den Blutkreislauf in die Lunge und wird dort abgeatmet. Eine anhaltende Darmaufblähung mit den genannten negativen Folgen wird damit vermieden. Auch ist das Gas nicht brennbar, so dass eine Gasexplosion ausgeschlossen ist.

Gibt es Risiken?

Seit den 80er Jahren des vorigen Jahrhunderts wurden in einer Vielzahl von Studien der günstige Effekt auf die Patientenzufriedenheit gesichert, ohne dass sich Hinweise auf Risiken ergaben. So konnten insbesondere auch Bedenken ausgeschlossen werden, dass sich das Gas zu sehr im Körper anreichern könnte. Dennoch wird zur Sicherheit bei einer schweren Atemregulationsstörung mit geschädigtem Atemzentrum das Gas nicht verwendet.

Ist die CO2-Anwendung ökologisch unbedenklich?

Ja, absolut. Das CO2 als Medizinprodukt erhöht nicht den Gesamtbestand der Treibhausgase, sondern fällt überwiegend als Abfallprodukt in der Industrie an und wird zum kleinen Teil aus natürlichen Quellen gewonnen.

CO2 statt Luftinsufflation als neuer Standard?

Wir sagen Ja. Unsere tägliche Praxis bestätigt den besseren Patientenkomfort. Entsprechende Empfehlungen mit dem höchsten Evidenzgrad wurden bereits 2010 für die Europäische Union gegeben und kürzlich in einem Übersichtsartikel im World Journal of Gastroenterology bestätigt. Auch Berliner Autoren konnten zeigen, dass sich die Ergebnisse auf den deutschsprachigen Raum übertragen lassen.

Warum verwenden nicht alle Endoskopien CO2?

Seit der Einführung der flexiblen Endoskopie in den 60er Jahren bis heute werden die handelsüblichen Endoskopie-Einheiten mit einer integrierten Luftpumpe zur erforderlichen Aufblähung des Darmes ausgeliefert. Eine Aufrüstung mit einer CO2-Einheit erfordert daher eine beträchtliche zusätzliche Investition, die sich nicht immer auszahlt.

Fazit

Die CO2-Anwendung bei der Darmspiegelung erhöht den Patientenkomfort und könnte die Akzeptanz der Untersuchung insbesondere auch in der Krebsvorsorge steigern. Entgegen International Empfehlungen hat sich das Verfahren in Deutschland noch nicht durchgesetzt. Sicherheit und Patientenkomfort zu optimieren halten wir für unverzichtbar, so dass in unserer Praxis das CO2-Verfahren routinemäßigen eingesetzt wird.

Literaturbeispiele:

  • 1: European Guidelines for Quality Assurance in Colorectal Cancer Screenings and Diagnosis. European Commission (2010)
  • 2: Is the type of insufflation a key issue in gastro-intestinal Endoskops? World Journal of Gastroenterology (2014)
  • 3: Methods of luminal distention for colonoscopy. American Society of Gastrointestinal Endoscopy (2013)
  • 4: Carbon Dioxide Insufflation in Routine Colonoscopy Is Safe and More Comfortable: Results of a Randomized Controlled Double-Blinded Trial. Diagnostic and Therapeutic Endoscopy. 2011
  • 5: Gezielte CO2-Insufflation versus Raumluft bei der Koloskopie – Handhabung in der Praxis – Patientenverträglichkeit. Endo heute (2010).

 

- Dr. med. Klaus Peter Kolbe, aktualisiert 22.09.2015 -