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Gastroenterologie am Schlachtensee
Privatpraxis Dr. Grüber – Dr. Kolbe – & Kollegen


Reflux-Diagnostik | pH-Metrie

Warum pH-Metrie?

Der Magensaft ist ein sehr saures Sekret mit einem pH-Wert von 1,0 bis 1,5. Neben der Salzsäure werden eiweißspaltende Enzyme wie das Pepsin und ein die Magenschleimhaut vor der aggressiven Säure schützender Schleim produziert.
Gelangt dieses saure Sekret in den Darm, wird er durch andere Verdauungssäfte neutralisiert und kann keinen Schaden anrichten.
Fließt der Magensaft zurück in die Speiseröhre oder sogar weiter in den Mund-Rachenraum können Beschwerden und Komplikationen auftreten, die unter dem Begriff Refluxerkrankungen zusammengefaßt werden. Je nach Lokalisation der Beschwerden wird unterteilt in die ösophageale (Ösophagus = Speiseröhre) und extraösophageale (obere Luftwege) Refluxerkrankung. Die ösophageale Refluxerkrankung kann in der Regel durch die typischen Beschwerden (Sodbrennen) oder endoskopisch diagnostiziert und recht wirksam z. B. durch Säureblocker behandelt werden, so daß sich heute eher selten die Indikation für eine pH-Metrie ergibt.
Die extraösophageale Refluxerkrankung kann zahlreiche Beschwerden verursachen ohne typische Refluxsymptomatik, sodass auch der Begriff stiller Reflux gebräuchlich ist.
Für die Diagnose kann eine spezielle pH-Metrie äußerst hilfreich sein.

Was bedeutet pH-Wert?

Der pH-Wert gibt den sauren oder basischen Charakter einer Lösung an.
Dabei bedeutet 1 eine stark saure und 14 eine stark alkalische oder basische Lösung. Der pH-Wert 7 ist der Neutralwert, also weder basisch noch sauer.

Prinzip der pH-Metrie

Es wird der Stromfluß gemessen zwischen einer Meßelektrode, die möglichst schnell, sensibel und exklusiv auf den pH-Wert einer Lösung reagiert und einer Refrenzelektrode, deren Potential unabhängig von der Azidität der Lösung konstant bleibt.
Als elektrochemische Sensorsonde wird heute in der Regel eine Antimonelektrode verwendet.
Konventionelle, Sonden-basierte pH-Metrie:
Der dünne Katheter mit der Referenzelektrode und einer oder mehrerer Meßelektroden wird über eine Nasenöffnung in die Speiseröhre eingebracht. Die erforderliche genaue Positionierung kann zeitaufwendig sein. Anschließend werden die Meßwerte in der Regel über 24 Stunden auf einem tragbaren Rekorder gespeichert. Die Auswertung kann weitgehend automatisiert erfolgen.
Die Methode wurde in den 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts standardisiert und brachte bahnbrechende Erkenntnisse über die Refluxerkrankung. Der amerikanische Chirurg Tom Ryan DeMeester war daran wesentlich beteiligt und ist über den Auswertealgorythmus “De Meester Score“ jedem Gastroenterologen weltweit geläufig.

Nachteile:
Zeitaufwendige genaue Positionierung des Katheters in der Speiseröhre.
Das Einführen der Sonde kann für den Patienten ausgesprochen unangenehm sein.
Verletzungen im Nasen-Rachen-Raum sind möglich.
Gerade bei der endoskopisch nicht zu diagnostizierenden Form der Refluxerkrankung (Non Erosive Reflux Desease: NERD) ist die Empfindlichkeit der Methode nicht zufriedenstellend.

Impedanz-pH-Metrie

Der Impedanz-pH-Metrie-Katheter enthält zusätzlich zu den pH-Elektroden mehrere sogenannte Impedanz Elektroden. Diese messen den elektrischen Widerstand (Impedanz) der wesentlich durch den Speiseröhreninhalt bestimmt ist. Die Impedanz von Flüssigkeiten ist niedrig und von Gasen hoch. Hierdurch ist es möglich, flüssigen und gashaltigen (z. B. Aufstoßen) Inhalt und ihre Bewegungsrichtung (geschluckt oder Rückfluß aus dem Magen?) unabhängig von Ihrem Säuregrad zu erfassen. Diese in den 90er Jahren des vorigen Jahrhunderts entwickelte Technik ergänzt heute zunehmend die konventionelle pH-Metrie.

Vorteil:
Höhere Sensitivität gerade für die nicht-erosive Form der Refluxerkrankung im Vergleich zur alleinigen pH-Metrie mit deutlichen Vorteilen allerdings nur für Patienten unter Säureblocker-Therapie.
Nachteil:
Eingeschränkte Spezifität mit der Möglichkeit falsch-positiver Befunde insbesondere bei automatisierter Auswertung.

Sondenfreie pH-Metrie mit der Bravo -Kapsel

In der Regel im Rahmen einer Endoskopie wird über Mund oder Nase das Applikationsset eingeführt und die ca. 1 cm große Kapsel an die Speiseröhrenschleimhaut angeheftet. Dort verbleibt sie ca. 3 Tage, ehe sie sich wieder spontan ablöst und über den Stuhl ausgeschieden wird. Die Meßwerte werden an einen kleinen, tragbaren Rekorder gesendet und aufgezeichnet. Die Technik wurde Anfang 2000 entwickelt und kann nach den zwischenzeitlichen umfangreichen Erfahrungen als sicher gelten.
Vorteil:
Wesentlich besserer Patientenkomfort ohne die durch eine Sonde eingeschränkten Aktivitäten des täglichen Lebens und ohne verändertes Eßverhalten.
Bessere diagnostische Ausbeute im Vergleich zur konventionellen pH-Metrie durch die sehr viel längere Untersuchungszeit.
Nachteil:
Kosten werden von der gesetzlichen Krankenkasse nicht übernommen.
Schmerzen im Bereich der Speiseröhre können in Einzelfällen eine endoskopische Kapselentfernung nötig machen.
Technische Einschränkungen wie vorzeitige Kapselablösung und eingeschränkter Datenempfang können das Untersuchungsergebnis beeinträchtigen.

Restech-pH-Metrie

Das Kernstück des Restech-Dx-Systems ist die Neuentwicklung einer Antimonelektrode. Der recht große Abstand von Meß- und Referenzelektrode von mehreren Zentimetern bei der klassischen pH-Metrie kann für die vollständige Erfassung von Refluxereignissen nachteilig sein. Dies hat sich insbesondere beim über die Speiseröhre hinausgehenden, extraösophagealen Reflux in Rachen, Mund, Kehlkopf und Lunge gezeigt.
Bei der nur ca. 1 mm starken Restechsonde befinden sich die winzig-kleinen Meß- und Referenzelektroden in unmittelbarer Nachbarschaft. Es ergibt sich eine hohe Empfindlichkeit auch für Refluate im schwach-sauren Bereich, die in den oberen Luftwegen eine besondere Rolle spielen. Auch können auf diese Weise kleinste und gasförmige Refluate nachgewiesen werden.
Die Restech-Sonde ist daher vor allem für die laryngo-pharyngealen pH-Metrie geeignet.
Das Einbringen der Sonde über eine Nasenöffnung in den Rachen hinter das Zäpfchen ist schmerzfrei, in wenigen Minuten erledigt und beim Tragen kaum spürbar. Ein daumendicker Transmitter sendet die Meßwerte an den mitgeführten Rekorder.
Nach 24 Stunden wird das Gerät wieder abgegeben und die Daten automatisiert ausgewertet. Der dabei errechnete Ryan Score (Tom Ryan DeMeester, amerikanischer Chirurg, s. o.) kann den krankhaften laryngo-pharyngealen-Reflux sichern.
Vorteil:
Derzeit einzige Methode um eine extraösophageale Azidität zuverlässig festzustellen.
Hohe Patientenakzeptanz.
Transparentes, auch für den Laien anschauliches Ergebnis.
Hohe therapeutische Relevanz
Sichergestellte Hygiene durch Einmalmaterial
Nachteil:
Kostenübernahme bisher nur durch die Privatkassen
Als neueste Entwicklung auf diesem Gebiet ist die wissenschaftliche Datenlage noch entsprechend eingeschränkt.

- Kolbe, aktualisiert 06.10.2014 -